Geschichte der Stadt Bützow und der Stiftskirche

Geschichte der Stadt.

 

Als eine auf Antrieb des Baiern- und Sachsenherzogs Heinrichs des Löwen im Jahre 1171 geschehene Stiftung des Fürsten Pribislav für das Bisthum Schwerin ist die Bewidmung dieses Bisthums mit dem Lande Bützow schon in den Bestätigungsurkunden der Päpste Alexander III., Urban III., Clemens III., Coelestin III., und der Kaiser Barbarossa und Otto IV. zu erkennen.

 

Mit der Ordnung der Dinge im Lande Bützow und in Bützow selbst aber hat der damalige Bischof Berno weniger Glück als sein Nachfolger Brunwald. Dieser ist es, der die erste Kirche zu Bützow weiht, die Pfarrverhältnisse 1229 festsetzt und ferner das in Folge Widerstandes der Wenden und anderer Hindernisse in Bützow nicht zur Blüte gelangte Nonnenkloster, Bischof Berno angelegt hatte, um den Willen des landesherrlichen Vermächtnisses von 1171 zu erfüllen, in dem benachbarten Dorfe Rühn im Jahre 1232 zu wirksamer Entfaltung bringt, nachdem ein gleiches Kloster schon dreizehn Jahre früher einige Meilen weiter westlich zu Neukloster entstanden war.

 

Auch bestimmt Bischof Brunwald, der wie in Warin, seiner anderen Stiftsstadt, auch in Bützow oftmals residierte, im Jahre 1236 die heute noch geltende Grenzen des Bützower Stadtfeldes, das westlich bis an die Scheiden der Dörfer Rühn, Steinhagen und Niendorf, nördlich bis ins Passiener Moor, südlich bis ins Zerniner Moor reicht und östlich das Land zwischen der Warnow und Nebel sammt der Möcker Waldung (>>die Mokere<<) bis an die Peetscher Scheide umfasst.

 

Die damals im Bau begriffene Mühle >>am Werder<< soll zur Hälfte dem bischöflichen Tisch, zur Hälfte der Stadt gehören. Brunwalds Nachfolger tragen an ihrem Theile zur weitern Entwicklung von Stadt und Kirche bei.

 

Besonders ist es der Bischof Wilhelm, der einen durch den Tod vereitelten Plan seines Vorgängers, des Bischofs Dietrich, sofort aufnimmt, indem er gleich im ersten Jahre seinen Episkopats, nämlich am 16. September 1248, die  Hauptkirche der Stadt zu einer der hl. Maria, dem hl. Evangelisten Johannes und der hl. Elisabeth geweihten Domkirche mit dem Kollegiatstift erhebt, deren Probst allemal aus dem Schweriner Kapital gewählt werden soll.

 

 

Mit dieser Gründung war mehr geschehen, als die Rostocker Fürsten Nikolaus und Heinrich sechzehn Jahre vorher bei ihrer Einwilligung zu der Einverleibung des Landes Bützow in das bischöfliche Stiftsland sich ausbedungen hatten. Damals wollten sie nur eins, entweder ein Kanonikat oder ein Kloster: nun hatten sie beides. Zu keiner Zeit aber schienen Stadt und Land Bützow mehr die Aufmerksamkeit aus sich gezogen zu haben als unter dem Episkopat des streitbaren Bischofs Rudolf I., dessen Grabstein noch heute im Dom zu Schwerin erhalten geblieben.

Er ist es, der den Glanz des geistlichen Hofes, zu dessen Erhöhung das zum Theil dem eingeborenen Adel entnommen Domkollegium wesentlich beiträgt, durch den Bau einen neuen befestigten Schlosses neben der Satdt abermals zu vermehren sucht und dadurch den Widerstand der Landesherren hervorruft.

Wie nun diese Sache zu einer heftigen Feindschaft und Fehde zwischen dem Bischof und dem Fürsten Pribislav von Parchim fährt, wobei dieser zuerst den Bischof und nachher der Bischof den Fürsten gefangen nimmt, der darauf Land und Herrschaft verlässt, und wie zuletzt zwischen Rudolf's Nachfolger, dem Bischof Hermann, und den übrigen mecklenburgischen Fürsten, den drei Brüdern des Pribislav, welche die  Stadt Bützow besetzt halten, am 6. Dezember 1263 ein Vertrag zu Stande kommt: das hat Beyer in seiner Geschichte des Fürsten Pribislav I. von Parchim auf Grund altern Quellen und Urkunden ausführlich beleuchtet. Bischof Hermann ist der Erbauer der Bützower Bischofsburg.

Unter ihm erfahren ferner die Archidiakonatsbefugnisse des Bützower Domdekans eine ausserordentliche Erweiterung, wie aus einer Urkunde vom 1. Januar 1270 zu ersehen ist.

 

Auch vermehrt er die Einkünfte der Stadt und ihrer Bürger, die sich hier ebenso wie andere anderswo unter dem Krummstabe sehr wohl befunden zu haben scheinen, soweit dies aus Schenkungsbriefen und sonstigen urkundlichen Erlassen zu schließen ist. Eine Marien-Kapelle wird 1269 genannt, aber wir erfahren nichts Näheres darüber, das St. Georgs Hospital kommt 1286 zum ersten Mal urkundlich vor, mehrfach hören wir auch von namhaften Vikareien und Memorienstiftungen durch Bürger, Domherrn und bischöfliche Lehnsträger sowohl schon in der zweiten Hälfte des XIII. Jahrhunderts, wie auch nachher im XIV. Jahrhundert.

 

Dass der Schlossbau des Bischofs inzwischen zu Gange gekommen war, beweist zuerst eine Urkunde vom 24. September 1307. Auch ist von einem bischöflichen Baumgarten (pomerium episcopi) und einer neuen Mühle die Rede; und zwei längst nicht mehr vorhanden Stadtthore (>>Wolkendor>> und >>Runer Dor<<) werden 1317 zum ersten Mal urkundlich genannt.

 

1322 sieht Bützow den Durchzug der Feinde des damals wegen seiner Kriege und Siege mit aller Welt zerfallenen Fürsten Heinrich von Mecklenburg: sie ziehen von der Wariner Gegend her ins Rostocker Land. Mit Bischof Johann aber, der während seiner ganzen Regierung unter den Schulden seiner Vorgänger, die auch die Schlösser Bützow und Warin versetzt hatten, schwer zu leiden hat, verträgt sich der Fürst am 5. März 1323. Zehn Jahre später sind Vogtei, Haus und Stadt Bützow in Händen des Henneke von Bülow und seiner Angehörigen, und deren sonstige Rechtsansprüche währen noch viel länger, nämlich bis zum 23. Januar 1366.

 

Diese Verhältnisse hindern aber keineswegs die weitere Fortentwickelung der Seelsorge im Stiftslande, wie z.B. die Anlegung der Kapellen in Passin und Langen-Trechow beweist, die im Jahre 1329 zum ersten Mal urkundlich genannt werden.

Doch verzichtet der Bischof Heinrich am 2. April 1347 ausdrücklich auf die Mitwirkung der Prediger- und Bettelmönche im Gebiet der Bützower Parochie. Dagegen entwickeln sich die Laien-Bruderschaften in der Stadt, so hören wir um diese Zeit von einer St. Elisabeths-Bruderschaft.

Auch verdient im Hinblick auf die Kirche eine Nachricht Beachtung, die von einer am 22. Januar 1367 errichteten erheblichen Stiftung von 100 Mark lübischer Silberpfennige durch den Lübecker Rathmannssohn Eberhard Klingenber >>ad structuram ecclesie<< handelt, wenngleich daraus keine bestimmten Schlüsse auf besondere Bauten zu machen sind. Von den vielen Verdiensten, die sich der vorreformatorischen Bischöfe um den Bau und die Ausstattung der Kirche erworben haben, sind heute nur noch von denen der Bischöfe Friedrich von Bülow (1365-75), Balthasar, Herzog von Mecklenburg (1473-79), Konrad Loste (1482-1503) und Johannes von Thun (1504 bis 1506) einige Spuren übrig belieben. Der letzte nach altem Ritus eingeführte Bischof ist Herzog Magnus, der am 17. September 1532 das bischöfliche Schloss zu Bützow bezieht, am nächsten Tage die Huldigung der Vasallen des Stifts empfängt und am dritten die der Stadt Bützow in feierlicher Weise entgegennimmt.

 

 

Indessen ist er bereits ein entschiedener Anhänger der Reformation und somit der, welcher zur neuen Zeit hinüberleitet. Ohne Widerstand geht es freilich auch hier nicht ab, wie einige sehr charakteristische Dokumente aus der Zeit von 1534/35 beweisen, die Lisch in den Meckl. Jahrbüchern mitgeteilt hat, auf die wir aber hier nicht ausführlicher eingehen können.

 

Ebenso müssen wir uns für die nachfolgende Zeit der protestantischen Administration des Bisthums von 1550 bis 1648 durch vier Fürsten hintereinander, den mecklenburgischen Herzog Ulrich von 1550 bis 1603 (Ulrich I.), dessen Enkel,den dänischen Prinzen Ulrich von 1603 bis 1624 (Ulrich II.), den gleichnamigen Sohn Christian's IV., der als Ulrich III. nur bis 1627 regierte, und Herzog Adolf Friedrich nach Ulrich's III. Tode 1633 bis zur Einverleibung des Stifts ins Herzogthum Mecklenburg im Jahre 1648, damit begnügen, auf die Geschichte des evangelischen Bisthums von Schildt zu verweisen.

 

Auch über die Zeiten des dreissigjährigen Krieges finden wir dort nicht bloss viele einzelne Mitteilungen von Ort zu Ort, sondern eine zusammenfassende Darstellung. Ein besonderes Kapitel in der Geschichte der Stadt Bützow bildet in den Jahren 1676/77 der bekannte Konflikt zwischen dem herzog Christian Ludwig I. und seinem Bruder Herzog Friedrich, der die Stadt Bützow besetzt, die Bürger in Pflicht und Eid nimmt, und nun eine Administration des Landes unter seiner Leitung ins Leben zu rufen sucht.

 

Doch die Sache kommt anders, Herzog Christian Ludwig kehrt vorübergehend von Paris zurück, und dem Bützower Bürgermeister Gabriel Hellburt wird am 9. November 1677 zur Strafe für die vorschnelle Huldigung der Stadt der Kopf abgeschlagen.

 

Ein erfreulicheres Kapitel ist dagegen am Ende des XVII. Jahrhunderts die Aufnahme französischer Refugi's in Bützow zur Hebung der Industrie, besonders der Verarbeitung von Wolle und des Anbaus von Tabak in Mecklenburg, und die dadurch veranlasste Gründung einer reformierten Kirche und Gemeinde daselbst, die sich im XVIII. Jahrhundert des besonderen Schutzes der ihr angehörigen verwittweten und deshalb in Bützow residierenden Sophie Charlotte erfreut.

 

Von 1765 bis 1771 vollzieht sich der Bau einer eigenen Kirche für diese Gemeinde, Abermals gewinnt die Stadt Bützow eine besondere Bedeutung, als Herzog Friedrich, der Wirren mit der Stadt Rostock überdrüssig, im Jahre 1760 seinen Anteil an der Universität Rostock von Rostock nach Bützow verlegt und dadurch eine zweite mecklenburgische Universität ins Leben ruft.

 

Doch Herzog Friedrich's Nachfolger, der Herzog und spätere Grossherzog Friedrich Franz I., verträgt sich mit Rostock und vereinigt 1789 neide Universitäten aufs  Neue, nachdem das gleichzeitig mit der Universität nach Halleschem Vorbild eingerichtete Pädagogium schon bei Herzog Friedrich's Lebzeiten im Jahre 1780 wieder eingegangen war.

 

Als eine Art Ersatz dafür dient das im Jahre 1812 errichtete Kriminal-Kollegium, das in Bützow seinen Sitz erhält und hier bis zu seiner durch die neue Gerichtsorganisation erfolgten Auflösung im Jahre 1879 verbleibt. Dass die Stadt Bützow ebenso wie Warin in Folge ihrer besonderen Entwicklung als Stiftsstadt erst seit 1851 die Landstandschaft besitzt, ist schon im dritten Bande der M. Kunst- u. Gesch. Denkm., S. 442, bemerkt worden.  Ueber die neueren Verhältnisse vgl. Raabe Quade,    Vaterlandskunde  I, S. 450ff.)

 

In Bezug auf die zahlreiche Geistlichkeit des Mittelalters, die Bischöfe obenan, müssen wir uns hier damit begnügen, auf die Sammlung von G. G. Gerdes (Wismar 1736), im Besonderen auf den darin enthaltenen Abdruck der Hederich'schen Gesch. d. Bischöfe zu Schwerin, S. 378-491, sowie auf die Register zu Schröder's Pap. Mecklenburg und zum Mecklenb. Urkundenbruch in Bd. IV, XI, XVIII und XIX zu verweisen.

 

Von den nachreformatorischen Predigern giebt Mantzel, Bütz. Ruhest. VI, S.11-21, das Vorastsche Verzeichnis, das von 1543 bis 1761/62 reicht und mit Joh. Joach. Vorast (berufen 1732) und Thomas Christoph Luger (berufen 1741) endigt. Vorast stirbt Ostern 1766, sein nachfolger Luger in der ersten Pfarre im Anfang des Juni 1771.

Nach ihnen wirken neben einander Leopold Friedr. Konrad Flärke (1766-1787) und A. F. Krieg (um 1776), Müller (bis 1783) und Friedrich Gottlieb Siegfried Zachariae (1783-1806). Neben Zachariae wirkt Joh. Christoph Ludwig Kleffel (1787-1808). Ueber die geistlichen des XIX. Jahrhunderts s. Walter a. a. O.

Die Geschichte der Stiftskirche

Drei Jahrhunderte wurde gebaut, um die Kirche in ihrer jetzigen Gestalt fertigzustellen.

 

  • 1229 Bestellung eines zweiten Priesters weist auf das Bestehen einer Kirche hin
  • 1248 Gründung eines Kollegialstiftes an der Kirche durch Bischoff Wilhelm; Erhebung zu einer der Hl. Maria, der Hl. Elisabeth und des Hl. Johannes geweihten Domkirche
  • Nach 1263 Bau der neuen Bischofsburg, Bützow wird dauerhafte Residenz der Bischöfe zu Schwerin
  • Ende 13. Jh. Planänderung: Umbau des frühgotischen, im gebundenen basilikalen System errichteten Chores und Weiterbau als gotische Hallenkirche
  • 1364 Der Kapellenbau um den Ostchor (Chorumgang) mit den zwei achtseitigen Säulen ist im Bau unter Bischof Friedrich II. von Bülow
  • nach 1364 Einwölbung der drei Kapellen um den Chor, dann die Seitenschiffe und einschließlich des Mittelschiffes bis weit in das 15 Jh.
  • 1456/1457 Turm an die Westfassade angebaut, 71 Meter
  • 1682 Bau des Dachreiters mit Welscher Haube
  • 1760-89 Kirche wird als akademischer Festsaal der Bützower Universität genutzt
  • 1858-61 Neugotische Innengestalltung - neugotischer Altar, letzte Renovierung des Innenraumes
  • um 1900 Einbau einer Warmluftheizung
  • 1951 Wiedererrichtung des Marienaltars von 1503 im Chor
  • 1972 Instandsetzungsarbeiten an Fenstern
  • 1992 Notsicherung Dachreiter
  • 1995-96 Instandsetzung und Sicherungsarbeiten am Turmdach
  • 1997-99 Orgelsanierung und Rückführung auf den Erbauungszustand; Abgraben des Erdreiches, Freilegen des Sockels, Instandsetzung des Mauerwerkes
  • 2003 Sanierung des Marienaltars
  • 2005-2006 Sanierung der Priesterpforte
  • 2007 Einstufung als Kulturdenkmal nationaler Bedeutung, Beginn der Sanierung des mittelalterlichen Hallendachstuhls